BoddenRacer

Post aus Malaysia – „Die Heimat im Herzen“

Wir kriegen Post aus der Ferne. Wenn man sich mal nach den „alten“ BoddenRacern erkundigt, kriegt man eben auch mal eine Antwort aus Malaysia. :-) Marc Schulz sollte ja auch noch einigen ein Begriff sein.

06.Oktober 2015: „Früher bin ich hier auch immer zum Training gefahren“, dieser Gedanke begleitete mich eine Zeit lang auf dem Weg nach Wieck, nachdem an mir zwei Sportler mit ihren Sporttaschen vorbei gefahren waren. Auf dem roten Schotterweg am Ryck an West- und Starkwind Trainingstagen hatten mir auf dem Weg nach Hause immer die Oberschenkel auf dem Fahrrad gebrannt. So eine lange Trainingseinheit auf dem Laser hat immer seine Spuren hinterlassen.

Es ist einer dieser Tage, an denen die Sonne in Greifswald scheint und eine kräftige Brise über das Wasser zieht. Die Böen sind gut zu erkennen. Sofort versuche ich sie zu charakterisieren. Warum habe ich das damals nicht schon versucht, frage ich mich!? Ich bin gespannt ob ich Glück habe und beim Wochentraining der Gemeinsamen Jugendabteilung der Greifswalder Vereine jemanden „alten“ Bekannten wiedersehe.

riva

Just another day in the office – 29er Training auf dem Gardasee.

Mein Name ist Marc Schulz und ich habe das Segeln genau an solchen Wochentrainingstagen in Greifswald gelernt. Seit 2001 war ich Mitglied im Greifswalder Yacht Club und damit auch Teil der Trainingsgruppe, die von Trainern wie Tim Köppe, Thomas Hinze und vor allem Dirk Brandenburg gefördert wurden. Zwar als kompletter Quereinsteiger, bekam ich damals allerdings die gleiche Chance wie alle anderen mein Können unter Beweis zu stellen. Begonnen im Opti und viel zu schnell, viel zu groß und schwer, wechselte ich relativ zügig in den Laser Radial. Eigentlich wollte ich mit Felix Streckenbach zusammen 420er segeln, wurde allerdings von Brandy überzeugt, die für mich passendere Bootsklassen zu segeln und stieg auf den Laser. Ohne Brandy wäre einiges wohl nicht so gelaufen, wie es dann kam! Danke Brandy! :-)

Die ganz große eigene Karriere blieb allerdings trotzdem aus. Aber gerade durch die zahlreiche Unterstützung durch das Trainerteam wie Jan, Tim, Brandy und vor allem die erfahrenden Laser Segler wie Philipp und Johannes, konnte ich so viel Gutes und Wichtiges aus meiner Zeit aus Greifswald mitnehmen! Aber das wichtigste zu der damaligen Zeit war die Trainingsgruppe! Zusammen mit Max Giehm, Erik Kadow, Felix Streckenbach, Friedhelm Hamann und wie sie nicht alle hießen, waren wir eine super Truppe. Ich hoffe euch geht es allen gut!

Sogar eine eigene Homepage hatten wir damals. Gerne erinnere ich mich zurück an die gemeinsamen Fahrten nach Hyères mit dem Seglerverband M-V und die zahlreichen gemeinsamen Regatten. Vor allem Martin Giehm hat mich damals zu jeglichen Regatten mitgenommen. Ohne seine großartige Unterstützung hätte ich zahlreiche Regatten verpasst. Danke Maddin! :-)

Nachdem ich 2008 gemerkt hatte, dass es in diesem System wohl nicht für eine olympische Karriere reichen wird, beschloss ich einen anderen Weg zu gehen. Ich begann 2008 ein Freiwilliges Soziales Jahr in Warnemünde beim Warnemünder Segel-Club. Nachdem ich merkte, dass der Beruf des Trainers genau meinen Vorstellungen entsprach begann ich in Berlin, Sport und Trainingswissenschaften zu studieren. Parallel dazu versuchte ich beim WSC weiterhin die Jugendabteilung auszubauen und Talente zu formen. Diese sechs Jahre mit vielen Höhen und Tiefen prägten mich und halfen mir dabei meinen heutigen Job so machen, wie ich ihn für sinnvoll erachte. Noch heute versuche ich einen guten Kontakt zum WSC, den ehemaligen Sportlern, Trainern und Eltern zu pflegen. Diese Station war mindestens genauso wichtig, wie das Segeln lernen in Greifswald.

Als Bundestrainer bei der ISAF Jugend Weltmeisterschaft in Malaysia 2016.

Als DSV-Teamleiter (3.v.r) bei der ISAF Jugend Weltmeisterschaft in Malaysia 2016.

Seit Februar 2014 leite ich nun den Bundesstützpunkt-Nachwuchs in Friedrichshafen am Bodensee. Ich führe eine mittlerweile große und talentierte 29er Gruppe und bin vor allem für den D/C Kader Bereich im Süden (Baden-Württemberg und Bayern) zuständig. Dieser Job beinhaltet die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Landeskader und Bundesnachwuchs-Kader (C-Kader) und damit eine enge Zusammenarbeit mit dem Bundesstützpunkt in Kiel.

Gerade bin ich zurück von der ISAF Youth World Championship in Malaysia. Dort war ich Teamleiter für die DSV-Mannschaft und auf dem Wasser habe ich die 29er Mädels betreut. Als Höhepunkt gewann mit Hannah Anderssohn eine ehemalige Sportlerin vom Warnemünder Segel-Club die Silbermedaille im Laser Radial. Irgendwie eine witzige und vor allem schöne Geschichte, dies gemeinsam erleben zu dürfen. Genau diese Erfahrungen darf ich machen, da zur richtigen Zeit, die richtigen Menschen an mich geglaubt haben. Dafür bin ich allen sehr dankbar!

Das Aufwachsen in der Gemeinsamen Jugendabteilung in Greifswald hat mir viele wichtige Dinge auf meinen Weg mitgegeben. Die Menschen aus Greifswald, die Arbeit mit den Kindern in der GJA zeichnen ganz besondere Merkmale aus. Hilfsbereitschaft, Bodenständigkeit, Gleichberechtigung und vor allem die Fähigkeit aus kleinen Möglichkeiten, dass optimale zu entwickeln.

Oft komme ich zurück um meine Familie zu besuchen. Die Entfernung von 930 km ist da kein Hindernis. Aber nicht nur auf Grund meiner Familie bin ich gerne in Greifswald. Vor allem weil es meine Heimat ist!

06.Oktober 2015: Ich habe Glück und treffe jemanden „alten“ Bekannten. Als wenn es vor 14. Jahren gewesen wäre, begrüßt mich „Herr Brandenburg“ und „Herr Möhring“ und wir quatschen und quatschen … Training für den Nachwuchs gab aber es trotzdem noch. ;)

Ganz herzliche Grüße in die Heimat.
Marc

Der Weg zur Marina in Malaysia ist fast wie der Schotterweg am Ryck entlang.

Der Weg zur Marina in Malaysia ist fast so schön wie der Schotterweg am Ryck entlang. (Anm. d. Red.)

   

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