BoddenRacer

Kalle Dehler meistert SilverRudder Challenge

Kalle rekapituliert sein Einhand-Abenteuer bei der SilverRudder Challenge. Mit seiner Dehler 38c „SPORTHOTEL“ ging es dabei nicht nur um den Kampf mit sich selbst und gegen die mehr als 200 Gegner, sondern auch um ein besonderes Duell. 

Was für eine verrückte Idee! Eine Regatta Einhand nonstop rund Fünen ohne Vergütungswertung, offen für Yachten und Mehrümpfer ab 18 Fuß !

Als mir Morton Brand (BatNyt) dieses Vorhaben vor 5 Jahren offerierte war ich doch recht skeptisch ob es dafür Interesse gibt. Wo aber die etablierten Veranstalter um genügend Teilnehmer ringen, hat sich das „Silver Rudder“ im 4. Jahr zur größten Einhandseeregatta weltweit gemausert. Über 300 Meldungen, davon waren 228 an der Startlinie und schlussendlich 208 im Ziel.

Die Berichterstattung in der „Yacht“ hatte auch mich bewogen dort mit der D38c SPORTHOTEL zu melden.

Meine Meldung wurde vom Veranstalter sofort aufgegriffen, um als Duell der beiden 38 Füßer (Dehler 38 gegen XP38) zu gelten. Also wurde SPORTHOTEL mit Autopilot und Gennaker nachgerüstet und fleißig, zumeist bei leichtem Wind, trainiert. 😉

Der Start war für die Kielbootklasse 35-40 Fuß am Freitag, 18.09. um 0930 angesetzt, die kleineren Yachten waren da schon seit 0800 unterwegs. Windvorhersage 20-25 kn in Böen auch mehr, abends abflauend – Prinzip Hoffnung.

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Den Start bin ich in gewohnter Kurzregattenmanier angegangen, mit Bb. full speed bei fast Null über die Linie, dass brachte kurzzeitig die Führung. Je mehr es dann auf Strecke ging musste ich die großen und Raumrenner ziehen lassen. Peter Kohlhoff mit seiner 40 Fuß one off „GLORIA“, William Friis-Möller mit IMX40 „Mandaley“, Andreas Rohde mit JPK38 „Ratzfatz 3“ und Peter Gustafsson (Vorjahressieger und Rekordhalter) mit J111 „Blur“.

In einer leichteren Periode mit etwas weniger Wind (oder hatten man sich nur dran gewöhnt) ging auch bei mit der Gennaker mit 110qm hoch – damit schien es das ich den Abstand halten konnte. Der Wind war aber nicht weniger, immer wieder Böen mit über 25kn – da war ordentlich Druck im Schiff, permanent 9-11 kn Boatspeed! Der Tackleine war das dann irgendwann zu viel, in einer dicken Bö hat die sich verabschiedet. Also nichts wie runter mit dem Ding, mit einer Untiefe in Lee war das doch etwas kritisch!

Danach erst mal einen Gang zurückschalten, schön mit Groß und Fock weiter und die notwendigen Halsen mit seemännisch einwandfreien Q-Wenden 😉

Immerhin die große Beltbrücke konnte ich als 2. passieren hinter der IMX40 und fast gleichzeitig mit Peter Kohlhoff. Das die JPK und auch andere Yachten aus unserem Start, aufgrund der etwas niedrigeren Masthöhe, den direkten Weg durch die Brückenbögen unter Land nehmen konnten, hatte ich gar nicht mitbekommen.

Nach einer erneuten Regenfront mit fast 30kn (Reff ins Groß) geht es als Reachkurs nach Norden. Direkt unter Land, dem Gegenstrom so gut es geht ausweichen, konnte ich dann im herrlichsten Sonnenschein ausreffen, „GLORIA“ allerdings zog unaufhaltsam davon und war im Gewühle der ganzen Yachten schon nicht mehr auszumachen.

Ab Fyns Hoved musste gekreuzt werden, also schon vorher wieder Reff rein und los. Die ganze Flotte war zu schnell, alle sind vor der „Abendflaute“ auf die Kreutz gegangen, immer noch gut über 20kn. SPORTHOTEL aber kommt nun richtig in Fahrt, mit immer 7 – 7,5 kn pflüge ich durchs Feld der kleineren Yachten. So gut es geht unter Land komme ich voran und kann im Eingang zum kleinen Belt gegen 1900 ausreffen.

Im kleinen Belt selber ist wieder ordentlich Verkehr, keine Ahnung wer da um mich herum ist, geht es mit perfektem Schiebstrom problemlos durch. Der Schlag im südlichen kleinen Belt ist dann Straßenbahnfahren immer an der Küste entlang – zeitweise geht der Wind auf 8 kn zurück. Ein Code Segel habe ich nicht, also schön gemütlich mit Mitternachtssuppe immer weiter, der Autopilot arbeitet top. Von Ecke zu Ecke raumt, es also Gennaker anschlagen. Fall und Schoten liegen seit der Kreutz auf der richtigen Seite 😉

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Mit Gennaker geht es wieder richtig flott, einige Yachten werden überholt, aber keine Vorstellung wer da alles ist. Bei 14 kn Wind entschließe ich mich nicht bei dunkler Nacht in das enge Svendborg Fahrwasser mit Gennaker zu fahren und immer wieder halsen zu müssen. Mit Groß und Foch platt vor dem Laken nimmt der Wind aber ab und der Gegenstrom zu!! Das hat sicher 20 Min. gekostet. Im Dunkeln und mit Spinnaker ist schlussendlich die Dynamic 35 (konnte auch den kurzen Weg nehmen) „Ymer“ mit Ulli Schulte vorbei gekommen – super gemacht!

Nach 20:41 Std. bin ich dann um 0615 im Ziel, ein kurzer Hup und das war`s!

Beim Anlegen große Unterstützung durch die perfekte Organisation, Leinen fest, Heizung an und Koje.

In der Gruppe der großen Kielyachten wurde SPORTHOTEL schließlich 6. und 14. von allen Einrumpfbooten. Die alte Rekordzeit wurde durch den Wind von vielen geknackt und von Andreas Rohde mit der JPK38 mit 19:02 Std. neu definiert!

Es war eine außerordentliche Regatta und ein besonderes Erlebnis mit so vielen im Einhandregattamodus rund Fünen zu gehen – mit der komfortablen SPORTHOTEL aber überhaupt kein Problem.

⇨ Für das nächste Rennen allerdings werde ich mehr mit dem Gennaker Manöver übern, vor allem die Dunkelheit – es geht um eine neue persönliche Bestzeit!

PS: Das interne „Duell“ wurde gewonnen – die XP38 brauchte 1:40 Std. länger! 😉

Kalle Dehler

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