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Wahnsinn: Theresa wird U17 Vize-Europameisterin im Laser Radial

Bei den Laser Radial Youth European Championship 2017 im polnischen Gdynia ist Theresa Wierschin aus der Gemeinsamen Jugendabteilung der Greifswalder Segelvereine ein riesen Hit gelungen. Hier analysiert die 15 Jährige selbst ihre Erfolgsregatta.


Ebenso wie im letzten Jahr fuhr ich auch dieses Jahr, mit dem Team MV zur Jugendeuropameisterschaft. Sie fand im polnischen Gdynia statt. Gleich nach dem Europa Cup in Warnemünde packten wir unsere Boote zusammen und am kommenden Tag fuhren wir los. Knapp 600 km weiter östlich lag unser Ziel. Abends angekommen luden wir noch unsere Boote ab und fuhren danach ins Appartment.

Am Donnerstag hatten wir unseren Vermessungstermin um 13 Uhr, was sich natürlich verzögerte. So gegen 14.30 Uhr waren die MVer Laser dann endlich vermessen und es ging noch für etwa drei Stunden aufs Wasser die Danziger Bucht erkunden. Das Revier ähnelt dem des Greifswalder Boddens, was ja nur von Vorteil sein kann.


Am Freitagvormittag machten wir einen Kulturtrip nach Danzig, damit wir wenigstens irgendetwas von Polen sehen. Soviele Leute sind immer neidisch, dass man beim Segeln so gut rum kommt, doch sehen wir meistens auch nicht mehr als die Häfen. In Danzig schauten wir uns die Innenstadt an. Den Abend zuvor saß der LT [Landestrainer Roberto Güldenpenning] drei Stunden vor dem Laptop und las sich Wikipediatexte zur Geschichte Danzigs durch. So konnte er uns zu allem fast etwas erzählen. Es war auf jeden Fall sehr schön und interessant. Am Nachmittag stand dann noch Practice Race an. Um 15 Uhr war Start für die Mädchen, aber wie das so in der Laserklasse ist, kann man sich das Practice Race auch schenken. In anderen Bootsklassen wird ein vernünftiges Rennen gefahren, doch nicht bei den Lasern. So starteten wir etwas 100m über der Linie etwa eine Minute zu früh. Und nach dem Halbwind geht es dann auch schon wieder in den Hafen. Doch Team Germany hat dann noch etwa eineinhalb Stunden Startübungen gemacht. Danach ging es noch in den Hafen, alles für den nächsten Tag noch einmal checken, Eröffnung und dann früh ins Bett, noch einmal einen langen Leistungsschlaf.

Am Samstag war um 12 Uhr Start zur ersten Wettfahrt. Die Mädchen brauchten erst einmal drei Anläufe, doch dann ging auch endlich einer ab. Bei Anfangs 7 kn lief es natürlich nur über rechts und ich war links. Im ersten Rennen fuhr ich dann schon mal meinen ersten Streicher ein (46.). Kurz nachdem wir im Ziel ankamen, begann es extrem doll zu gewittern, zu regnen, zu hageln und man sah nur noch etwa 10 m weit. Jeder andere Wettfahrtleitung hätte uns auf der Stelle reinfahren lassen, doch nicht die Polen. Durch das Gewitter hatte der Wind auch um 180 Grad gedreht, doch mit Bahnmarkenänderung wollte man das Rennen noch retten. Kurz bevor der erste Junge dann die Ziellinie passierte, wurde dann doch abgebrochen. An diesem Tag blieb es bei diesem einem Rennen.

Am Sonntag hatten wir erst gegen Flaute zu kämpfen, doch am Nachmittag kam dann noch guter Wind. Im ersten Rennen war der Wind leider noch so instabil, dass es Flautenlöcher gab und in genau so ein Loch bin ich leider hineingeraten. Somit wurde es auch nicht besser als am ersten Tag (47.). Das darauffolgende Rennen habe ich dann endlich mal einen vernünftigen Vorwind hinbekommen, wodurch ich etwa 30 Boote aufgeholen konnte, nur weil ich den direkten Kurs fuhr. Das wurde mein erstes gutes Rennen bei dieser Regatta (16.).

Am Montag hatten wir etwa 15-17kn – perfekt um auf der Kreuz richtig Plätze zu machen. Der erste Start war perfekt und somit konnte ich ein gutes Top Ten Ergebnis einfahren (8.). Im zweiten Rennen war der Start leider nicht so gut und das hat man dann auch an der Platzierung gesehen (23.). Leider brauchen wir sehr viel Zeit und so waren wir erst etwa 20 Uhr vom Wasser.

Dienstag war dann richtig mein Tag. Wir hatten schon um 10 Uhr Start, weil der Wind am Nachmittag einbrechen sollte. Der erste Start war OK. Durch Glück war ich auf der linken und richtigen Seite und oben unter den Top Ten. Doch der Wind ließ weiter nach. Nach der zweiten Kreuz war ich Vierte. Dann kam ein endlos langer Vorwind wo ich leider drei Boote verloren habe. Trotz des fehlenden Windes und dem Ins-Ziel-dümpeln war dieses Rennen sehr gut (9.). Das zweite Rennen war super: ein sehr guter Start bei Topbedingungen, etwa 15kn, ließ mich direkt auf den Anlieger fahren und oben Fünfzehnte sein. Auf der zweiten Kreuz konnte ich dann noch vier Boote aufholen. Im Ziel war es dann Position 11.

Am Mittwoch wurde es leider nur ein Schweinerennen bei etwa 2kn Wind und Welle. Es war ein reines Stehen undich verlor leider auf dem Kurs sehr viele Plätze (19.). Trotzdem konnte ich meinen Vorsprung bei den Mädchen U17 ausbauen. Wir ersten drei in meiner Altersklasse hatten nach diesem Tag etwa 90 Punkte Abstand zur Vierten.

Am Donnerstag, am letzten und anstrengendsten Tag der Regatta, hatten wir um 11Uhr Start und es waren 3 Rennen geplant. Bei 29 kn Wind wäre in Deutschland keiner mehr rausgefahren, aber in Polen gilt das noch als segelbar. Das erste Rennen war ich ab der Luvtonne Siebente, doch leider bin ich dann auf dem Vorwind zweimal gekentert, was natürlich ordentlich Plätze kostete (22.). Das zweite Rennen hatte es dann echt in sich. Der Wind hatte noch mehr zugenommen und ließ das Boot immer luvgieriger werden. Leider habe ich den Start so gar nicht hingekommen und bin mit Abstand als Letzte gestartet. Doch bis zum Ziel konnte ich dann noch etwa die Hälfte des Feldes überholen (33.). Wenn ich dann gefahren bin und gerade mal nicht kenterte, war ich auch nicht langsam unterwegs. Leider habe ich mir in diesem letzten Rennen den Sieg verbaut. Naja, dann sollte es einfach nicht sein. Ich bin trotzdem total glücklich über meine Platzierung (insgesamt: 14. von 65. und 2. U17). Vor mir war wieder die Russin Elisaveta Borovkova, so wie in Warnemünde schon. Es hat nicht viel gefehlt, doch sie war dann einfach besser.


Am Freitag sind wir dann zurück nach Hause gefahren. Jetzt haben wir eine Woche Pause und dann startet die IDJM in Travemünde. Etwa eine Woche später geht es dann weiter mit der Jugendweltmeisterschaft in Medemblik in den Niederlanden.

Eure Theresa

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