BoddenRacer

Zu lange langsam – BoddenSolo an Bord der Helga Marie

Während es an der Spitze des Feldes beim BoddenSolo/Double nach viereinhalb Stunden einen spannenden Dreikampf gab (56 Sekunden zwischen Sputnik, Rock’n’Rolla und Slippery when wet), war es für die hartgesottenen Solo-Segler nicht ganz so einfach bei der seichten Brise über den Bodden zu kommen. Stefan hatte an Bord der Helga Marie aber trotzdem seinen Spaß. Ein Bericht aus Leipzig …

Als nicht zur Szene gehörender Außenseiter [stimmt gar nicht! 🙂 Anm. d. Red.] und immer noch Anfänger im Regattageschäft ein paar Worte (wahrscheinlich ein paar zu viel, aber man muss ja nicht zu Ende lesen…) über den Reiz des spätsommerlichen Solos:

Erstmalig auch als Doublehand ausgeschrieben starteten bei Wind zwischen 3 und 7 kn etwa 30 Boote in 4 Klassen (je 2 Yardstickgruppen Double und Single). Ich versuchte mit Helga Marie mein Glück in der zum Schluss startenden Gruppe der langsamen Soloboote.

Das kleine Startfeld erlaubt immerhin, sich ohne Ablenkung durch umgebende Schiffe auf Taktik und Uhr zu konzentrieren. Und es sagt einiges über die im Wortsinne ruhigen Windverhältnisse, dass man vom Pinend aus Otmar auf dem Startschiff die Sekunden herunterzählen hört: Drei-Zwei-Eins… Und wenige Augenblicke später bin ich auf der Bahn. Endlich mal ein geglückter Start. Deutlich anspruchsvoller wird es für diejenigen, die mit Spi fahren, denn direkt nach dem Start geht es auf einen langen Schlag mit raumen bis achterlichen Winden (ich weiß, man sagt Downwind…), der nur an der Ansteuerungstonne Greifswald einen 20-Grad-Knick nach Norden macht. Für die nicht Wenigen, die den Spi unsportlicherweise abgemeldet haben, beginnen drei bis vier zähe Stunden bis zur Tonne Vilm, von der aus es den gleichen Weg zurückzusegeln gilt.

Zeit genug, die Spientscheidung zu bereuen und sich Gedanken über den Sinn einer Kreuz vor dem Wind zu machen; ich probiere ein bisschen rum und komme zu dem Schluss, dass ich den Kurs um deutlich mehr als 20 Grad ändern muss, um einen Knoten schneller zu fahren. Rein rechnerisch ein Nullsumenspiel, so denke ich, verfluche meine mangelnde Übung mit Einhand-Spimanövern, die heute gar nicht notwendig wären, verwerfe den Plan genieße lieber den herrlich warmen Spätsommertag. Zum ausbaumen der Genua ist der Spibaum zu kurz und so finde ich mich –die Fahrtenseglermentalität kommt durch – einfach mit den je nach Hauchstärke schwankenden Geschwindigkeiten zwischen 1,5 und 3 Knoten ab, auch wenn’s die letzten zwei Meilen bis zur Vilm wirklich quälend wird.

Tonne Vilm an Backbord. Endlich. Auch wenn mein olivgrüner Spaekhugger für manche ein wenig nach Panzerkreuzer aussieht und knapp zweieinhalb Tonnen wiegt… Er mag Leichtwind. Und so klettert das Speedo doch immer mal wieder über 4 und ich kann mich vom Rest des eh weit auseinandergezogenen Feldes langsam absetzen, freue mich des Lebens, konzentriere mich mit sorgfältigem Blick auf den Kurs über Grund auf sinnvolle Kreuzschläge und zücke hin und wieder das Fernglas, um die wichtigsten Konkurrenten hinter mir im Blick zu behalten. Stolz lasse ich um etwa 17:15 Uhr die Tonne Greifswald an Steuerbord ohne Weg verschenkt zu haben. Eine Weile jedoch beschäftigt mich schon das, was sich am Ende als Haken an der Sache herausstellen wird. Ich habe die Segelanweisung gelesen und weiß, dass die Ziellinie um 18:00 Uhr schließt. Eine knappe Dreiviertelstunde für gut 3 Meilen bis zum Ziel vor Ludwigsburg. Wenn man das anliegen könnte… Und wenn der Wind bloß nicht immer schwächer werden würde… Aber das Leben ist kein Halbwindkurs und so kommt es, wie es kommen muss: Die Minuten verrinnen Schlag um Schlag und immerhin sehe ich schon ohne Fernglas, wie die Baltic ihre Position verlässt und Richtung Wieck tuckert… Der Rest ist ein bisschen Privatregatta gegen die anderen kleinen Boote, die noch unterwegs sind in einer wirklich wunderschönen Spätsommerabendstimmung. Am Ende verkünden sieben DNF, dass ein erforderlicher Schnitt von 3 Knotenfür Boote mit Yardstick ab 105 eine echte Herausforderung sein kann. Aber Herausforderungen machen ja bekanntlich Spaß und das hat das Solo bislang jedesmal gemacht. Meinen Dank an alle, die dazu beitragen.

Stefan Geiss, Spaekhugger Helga Marie, Baujahr 1972, Yardstick 109 (mit Spi).


 

Alle Ergebnisse hier. Einige Boote hatten auch den Tracker an. Das Replay gibt’s hier.

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