BoddenRacer

Abenteuer Motte segeln – meine ersten Regatten

Seit zwei Jahren habe ich nun meine Motte. Abheben und geradeaus fliegen ging anfangs recht schnell und einfach. Lange Zeit hab ich mich dann auch nur daran erfreut. Um die Ecken segeln ist jedenfalls ein anderes Thema. Bei irgendeiner Mittwochsregatta ist der Topspeed mal über die 20kn gerutscht. Wer weiß, wie genau der GPS da war, aber der Aufprall kurz danach hat jedenfalls ganz schön weh getan.

Dieses Jahr hatte ich mir dann vorgenommen, mich mal mit anderen Motten zu messen. Mitte August bin ich dann also meine erste Motten-Regatta gesegelt – die Deutsche Klassenmeisterschaft 2017. HALT, das stimmt gar nicht: Ich war ja schon im Frühjahr am Himmelsfahrtswochenende auf dem Berliner Müggelsee. Kurz vorher hatte ich mal wieder ein kleines Problemchen an der Bastelkiste (diesmal nur die Rumpf-Deck-Verbindung aufgegangen, mehr nicht) und die Potsdamer Motten-Freunde haben mir großzügig ihre Erfahrung und Hilfe angeboten. So bin ich also mit dem bescheidenen Ziel, nach dem Wochenende wenigstens ein repariertes Boot wieder mit nach Hause zu bringen, nach Potsdam/Berlin gefahren. Der chirurgische Eingriff war nach ein paar kurzen Stunden mit Harz und Kohlfaserschnipseln überstanden und dann ging es nach also doch zur Regatta zum Müggelsee. 11-Fuß-Flitzer, die mit 30 kn Downwind über der aufgepeitschten Wasseroberfläche fliegen, so stellt man sich das ja vor – aber Pustekuchen! Wie wir jetzt wissen, war es wohl das wärmste Wochenende des Jahres und auf dem Müggelsee war Pupenflaute. Die Motten sind dabei mit Mühe an den schwimmenden Technoparties der Berliner Feiertags-Hipster auf ihren Mietshausbooten vorbei getrieben.

Aber Jollensegeln haben wir ja mal gelernt: nach Windfeldern gucken, ordentlich starten, Winddreher mitnehmen, … wenn die Motten im Low-Rider-Modus fahren, unterscheiden sie sich am Ende kaum von anderen Jollen – außer dass der Rumpf nur 30cm breit ist und dieser Balanceakt bei 3kn Geschwindigkeit wohl der anstrengendste Segelmodus auf der Motte ist.

An Land hat sich schnell der Spirit der Bootsklasse gezeigt. Da wird nicht mit Tipps, Erfahrungen, Ideen, Werkzeug oder Material zurück gehalten – sondern bereitwillig unter den Seglern getauscht. Und auch wenn es auf dem Wasser nur einen ganz kleinen und wenig aussagekräftigen Einblick in die taktischen und technischen Besonderheiten dieser Bootsklasse im Wettkampfmodus gab, hat es doch schon eine Menge Spaß und vor allem Lust auf mehr gemacht.

Deswegen hab ich mich also im August auf den Weg zum Wittensee (im Hinterland von Eckernförde) gemacht. Für die Motten ein perfektes Revier: keine Welle und drumrum flache Landschaft, über die der Wind ungehindert hinwegfegt. Wie in Greifswald eigentlich. Dazu ein kleiner aber feiner Club, mit super engagierten Helfern, die sich ohne zu Mucken ins Zeug legen, um für die Segler eine tolle Veranstaltung auf die Beine zu stellen (wie gesagt, wie in Greifswald 😉 ). Zudem war für das lange Wochenende bestes Flugwetter vorhergesagt.

Freitag. Race day. 10-15kn Wind. Perfekt. Das ist auch das Windfenster, bei dem ich mich hier in Greifswald aufs Wasser traue. 15 Minuten noch bis zum 1. Start. Ein bisschen wird mir jetzt schon mulmig. Denn bei solchem Flugwetter, wo ich so 10-12kn Amwind und knapp 20kn Downwind fahren, habe ich auf dem Bodden schon einen gewissen Sicherheitsabstand zu anderen Booten gelassen – und nun fliegen mir sogar andere Motten (und zwar noch schneller) auf engstem Raum um die Ohren. Puhhh. Ein paar Testschläge noch um die optimale Flughöhe für die Bedinungen herauszufinden und einzustellen und dann mal in Richtung Startschiff gucken. Viele Boote sind noch gar nicht auf dem Wasser, da wird’s sicher noch ein bisschen dauern. Als ich aber am Startschiff mit 15kn vorbei eiere, geht just die Vorbereitungsflagge runter – letzte Minute also! Uuups. Bei den Motten hat scheinbar immer irgendeiner ein Problem mit dem Material, mit dem ein oder anderen Körperteil oder (im besten Fall) weiß einfach noch nicht, welche Foils er heute benutzen will. Da kann man gar nicht auf alle warten. Ich bin also bei 40 Sekunden etwa in der Mitte der Linie und sehe, dass ich viel zu früh am Pin End bin, wenn ich so weiter fahre (fliege). Bremsen geht nicht wirklich und eine Wende kommt nicht in Frage – da würde ich nicht wieder rechtzeitig zum Start auf die Foils kommen. In den Wochen davor habe ich aber endlich den richtigen Dreh (im wahrsten Sinne des Wortes) für die durchgefoilte Halse rausgefunden. Bei 30 Sekunden denke ich mir also „Jetzt oder nie, diese Halse MUSS sitzen“. Also abfallen, wahninnig beschleunigen, früh unterm Baum durchtauchen, und easy das Boot hinterher steuern, Hände wechseln, anluven, geschafft, ich fliege noch. 🙂 15 Sekunden noch zum Start und ich fahre mit voller Fahrt mit Wind von Backbord aufs Startschiff zu. Aber das passt. Bei zwei/drei Booten muss ich hinten rum und fahre mit einem Nullstart mit Steuerbordbug (ähhh… Backbordschlag heißt das ja jetzt offiziell) nach rechts raus. Meine erste fliegende Motten-Regatta beginnt.

Als ich mich nach 300m das erste Mal umdrehe um mich zu orientieren, sehe ich niemanden. Alle anderen sind links raus und kaum noch zu erkennen. Da oben ist aber schon die Tonne. Bin ich etwa Erster? Gleich kommt aber das Ufer, da muss ich eine Wende machen. Hoffentlich reicht es als Anlieger zur Tonne. Zwar kenter ich nicht mehr bei jeder Wende wie in meinem ersten Jahr, aber es ist doch noch qualvoll langsam durch den Wind und wieder auf die Foils zu kommen. Gegenüber einer durchgefoilten Wende verliere ich da locker 300m (reicht das überhaupt?). Nachdem ich also auf dem neuen Bug endlich wieder fliege, fällt mir fast die Kinnlade runter. Kann das sein? Da vorne am Horizont fährt das Feld auf die Tonne zu und mein Bug zielt gefühlt auf die Startlinie. Was für ein Wendewinkel! 110, 120 Grad bestimmt. Wenn ich wieder auf Speed bin sicherlich ein bisschen weniger. Ich hab zwar keinerlei Elektronik um das zu überprüfen, aber ich muss mich jedenfalls völlig neu orientieren und umgewöhnen. Ein komplett neues Spiel für mich.

Als ich um die Luvtonne fahre, sind die Ersten fast wieder unten durch am Lee-Gate. Auch der Downwind ist anfangs für mich völlig neu. Ein paar andere Nachzügler hab ich aber als Orientierung, welche Winkel und Geschwindigkeit man hier so fährt. Mir fahren jedenfalls alle um die Ohren. Tiefer, höher, schneller, höher & schneller und auch tiefer & schneller. Wenn’s gut läuft und meine Halsen sitzen, kann ich vielleicht ein/zwei Leute mit Manöverproblemen überholen, auch wenn sie im Straight-Line-Speed mit ihrem neueren Material (vor allem besseren, kleineren Foils) 3-5kn schnell fahren. Meine Devise für diese Regatta war also schnell klar: Gut starten und so wenig wie möglich andere Boote überholen lassen. Dass ich jemanden einhole, der einmal vor mir ist, ist so ziemlich ausgeschlossen. So ist das, wenn man mit einem 10 Jahre alten Boot in einer Konstruktionsklasse unterwegs ist. (Wie war das mit dem „… knife to a gun fight.“)? 🙂

Auf dem Downwind muss ich jetzt also „nur“ noch richtig raten, dass ich vielleicht wenigstens so ungefähr die Anliegelinie zum Gate treffe. Von den Halsewinkeln hab ich natürlich auch überhaupt keinen Plan. 🙂 Als ich zur Halse ansetze und noch ein bisschen zögere haut’s mich voll aus den Schuhen und ich überschlage mich bei ca. 18kn. Zögern ist tödlich. Aber kein Problem, das Boot wiegt nur so um die 35kg und wenn man beim Aufschlag nach vorne raus katapultiert wird und dabei alles los lässt und an den Wanten vorbei fliegt, passiert eigentlich nichts. Boot aufrichten und weiter. Jetzt das Gate. Anluven bei 20kn ist aber auch so eine Sache. Ich ditsche aber nur mal kurz mit dem Wingbar (wo ich draufsitze) auf der Wasseroberfläche auf und freue mich, dass ich eine von den drei Runde geschafft habe. 10 Minuten sind vorbei und ich bin fix und fertig.

Die zweite Kreuz schaffe ich dann mit nur zwei Wenden über links. Ein junges Mädel aus Bayern fährt zwar höher und schneller an mir vorbei. Das ist aber ok, damit habe ich gerechnet. Auf dem Kurs wird es mittlerweile unübersichtlich. Die 25 Boote sind über die ganze Bahn verteilt und ich sehe nicht mehr durch, wer vor und wer vielleicht noch hinter mir ist. Als auf der Mitte des zweiten Downwind der junge Schwede (der vor kurzem noch den Artemis Katamaran beim Youth America’s Cup gesteuert hat) an mir vorbei pretscht, weiß ich dass ich überrundet bin. Damit darf ich nach dem Gate weiter nach Lee ins Ziel fahren. Die Motten-Klasse fährt nämlich ein „Grand Prix Finish“ (wie bei der Formel 1), d.h. dass nach dem Ersten alle ins Ziel fahren dürfen und die Wertung je nach Rundenzahl erfolgt. Zuerst also alle, die drei Runden geschafft haben, dann die mit zwei Runden usw. Wirklich clever für alle Beteiligten. Mir gibt das an diesem Wochenende einige Male ein kleines bisschen mehr Verschnaufpause und die Schnellen müssen nicht so lange warten. 🙂

Am Samstag Vormittag hat der Wind dann noch weiter aufgefrischt. Nach ein bisschen kollektiven Zögern, bin ich zwar rausgefahren, hab aber schnell gemerkt, dass nicht ich Boot fahre, sondern das Boot mit mir. Weiter als Halbwindkurs konnte ich nicht abfallen – das ging mir alles zu schnell und ich hatte einfach keine Kontrolle mehr. Bevor irgendwas schlimmes passieren konnte, bin ich dann an Land und hab mir mit 10 anderen Seglern das Spektakel von dort angesehen.

Nachmittags hat der Wind dann merklich abgenommen, sodass ich mich noch mal für ein paar Wettfahrten raus getraut habe. Und das hat sich wirklich gelohnt. Meine Halsen wurden immer sicherer und wenn ich nach den Wenden weit genug abfalle, bin ich in auch bald wieder auf den Foils. Wenn ich bloss wüsste, was ich bei „dieser einen“ Wende anders gemacht habe, als ich nur mal kurz mit dem Rumpf aufgeditscht bin und quasi gleich weiter gefoilt bin … na liegt jedenfalls noch eine Menge Arbeit vor mir.

Apropos Arbeit….. diesen Winter werd ich mich mal ran machen, wenigstens eine längenverstellbaren Fühler (das Ding, das da am Bug runterhängt und meine Flughöhe „misst“) zu basteln, damit ich auch bei ein bisschen Welle besser klar komme. Für den Bugsprit, der ja mittlerweile bei den Motten zum Standard geworden ist, fehlt mir jedenfalls noch die Phantasie, wie ich den selber basteln könnte … Bug aufschneiden, Führung für die Längsstößer durch den Rumpf neu machen, … ??? puuuhhh

An der Motte gibt es immer was zu basteln.

Am Wittensee hat sich mir jedenfalls gezeigt, dass die Motte das geilste Boot ist, mit dem ich je bei der Regatta nur hinterher gefahren bin. Es macht einfach einen riesigen Spaß. Und zuhause auf der Dänischen Wiek würde ich wohl kaum mit einem anderen Boot alleine rausfahren. Mit der Motte heize ich aber einfach mal so über die Bucht und freue mich, wenn ich die Kiste immer ein bisschen besser beherrsche. Die Lernkurve ist jedenfalls weiter steil.

Ich hoffe, dass ich in 2018 mal ein paar andere Mottensegler für ein gemeinsames Trainingswochenende in Greifswald motivieren kann. Und wer weiß, vielleicht können wir ja auch irgendwann mal eine Regatta hier austragen. Ich denke, die Bedingungen dafür auf dem Wasser und an Land könnten kaum besser sein.

Philipp Gläser

Tolles Segelrevier zum Mottensegeln – die Dänische Wiek.

Hier gibt’s noch die Ergebnisliste und eine Foto-Galerie vom Wittensee.

Zwei Imagine-Paukenschläge zum Saisonende

Das Sailingteam Imagine um Familie Streckenbach hat die Segelsaison wieder mit einem Paukenschlag beendet. Zwei sogar – um genau zu sein. Der erste ist ein halbstündiger Video-Zusammenschnitt der vielen (inter)nationalen Regatten, die das Team wieder bestritten hat – Rund Rügen, Marstrand Big Boat Series, Rund Bornholm, Fastnet Race, … um nur einige zu nennen. Schaut den Film an – es lohnt sich! Schön sind neben den vielen Actionshots vor allem die „Interview“-Sequenzen mit den Crewmitgliedern, die dem ganzen eine schöne persönliche und greifbare Note geben. Weiter so und bitte mehr davon!!! 🙂

Den andere Paukenschlag gab es mit einem kleinen Facebook-Beitrag schon vor ein paar Wochen, in dem das Team den Kauf einer Melges 32 verkündete. Die ehemalige Airis ist eine richtige Rennziege, die in diesem Jahr unter den italienischen Voreignern Weltmeister in der ORC-3-Klasse geworden ist. Für Greifswald ist das wieder ein kräftiger Push beim High-Performance-Segeln. Sehr geil! Die Gegner werden sich nächstes Jahr warm anziehen müssen! 🙂

Die neue Rennziege auf dem Weg nach Greifswald.

Stürmisches Ende einer erfolgreichen Saison für Theresa

Mit ihrem Umzug nach Rostock und den vielen Trainingsstunden auf der Ostsee hat Theresa Wierschin in diesem Jahr einen riesigen Sprung nach vorn gemacht und erste internationale Erfolge gefeiert. Mit einem stürmischen Trainingslager vor Warnemünde hat sie nun die lange Saison ausklingen lassen.

Jetzt ist die Segelsaison fast wieder zu Ende. So wie jedes Jahr endet die Segelsaison auch dieses Jahr nach dem Herbsttrainingsblock in Warnemünde. Am 21.-22.10.17 veranstalteten die Schweriner, wie jedes Jahr, ihren Herbstpokal, für viele die letzte Regatta im Jahr.

Bei 12 Grad war es wohl ein eher warmer Herbstpokal, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren. Die Windverhältnisse waren auch nicht extrem. Schöne 8-12kn bereiteten uns noch eine schöne Abschlussregatta. Am Ende nach 6 Rennen belegte ich Platz 5 und nach der Siegerehrung ging es auch gleich weiter und zurück nach Warnemünde, wo am Montag die letzten intensiven Stunden auf dem Wasser begonnen haben.

Trainingslager mit dem Bundesnachwuchskader vor Warnemünde. (Foto: Franziska Goltz)

Genauso wie im letzten Jahr habe ich bei den Mädels und Franzi (Bundesnachwuchstrainerin) mit trainiert und wieder viel dazu gelernt. Bei besten Warnemünder Bedingungen, also Wind und Welle aus West, haben wir noch einmal die letzten 20 Wasserstunden gesammelt. Mit Muskelkater überall und total fertig waren wir dann auch nicht ganz so böse als am Samstag der Laserheldenspuk am 28.10-29.10. wegen Starkwind abgesagt wurde.

Am Freitag zuvor waren wir auf jeden Fall teilweise noch auf dem Wasser. Gegen 14 Uhr, als der Wind dann abgenommen hatte, sind Hannah und ich noch einmal rausgefahren, um das beste Warnemünder Segelwetter nicht zu verpassen. Dies war wohl auch die letzte Wassereinheit dieses Jahr. Jetzt werden die meisten Trainingsstunden in den Laufschuhen und im Kraftraum absolviert werden, um den wichtigen athletischen Teil des Segelns noch zu verbessern.

Einmal noch Warnemünder Traumbedingungen geniessen – Ende Oktober. brrrr. (Foto: Franziska Goltz)

Das neue Segeljahr 2018 ist auch schon in Planung. An dieser Stelle möchte ich mich aber noch ganz herzlich bei meinem Verein und allen denen, die mich unterstützt haben bedanken dafür, dass sie mir geholfen haben, 2017 so erfolgreich werden zu lassen.

Theresa Wierschin

Felix und Theo mischen ordentlich in der britischen Fast40+ Szene mit

Felix und Theo Streckenbach bringen schon seit einiger Zeit ihre Erfahrung von der GP42 in das Silva International Sailing Teams ein. In der spektakulären und aufstrebenden Fast40+ Szene auf dem Solent mischen sie dabei kräftig mit. Zum Saisonabschluss bekommen wir einen kleinen Einblick in ihr Engagement in der britischen Renn-Serie:

Der Fast40+ Circuit ist eine Regattaserie, die sich über eine ganze Saison erstreckt und aus mehreren Events in Südengland besteht. In der Fast40+ Klasse tummeln sich 40ft Hightech-Rennboote, die vollständig aus Karbon gebaut sind und vom Kiel bis zur Mastspitze für höchste Geschwindigkeiten optimiert wurden. Jedes Jahr fließen hunderte Stunden und hohe Summen in die Weiterentwicklung der Boote: Neueste Kohlefaser-Segel sowie modernste Masten, die sehr leicht gebaut wurden und trotzdem eine extreme Steifigkeit aufweisen. Außerdem haben alle Boote einen 3m langen Kiel und einen 2,5m langen Bugsprit, der das Setzen von riesigen Gennackern auf dem Vorwindkurs ermöglicht. Auf diesem Level gibt es in Europa nicht viele Teams und so ist es umso erstaunlicher, dass zur diesjährigen 2. Auflage des Circuits bis zu 15 Teams gegeneinander antraten. Die modifizierte GP42 Silva Neo segelte nach 2016 zum zweiten Mal eine Saison in der Fast40+ Klasse.

Photo: Rick Tomlinson

Seit 2014 bin ich Teil des Teams und habe mich natürlich umso mehr gefreut, dass dieses Jahr mit Theo ein weiterer Greifswalder zur 11köpfigen Crew dazu gestoßen ist. Zusammen segeln Theo und ich auf den Positionen Bow (Vorschiff) und Mid-Bow. Unsere Aufgabe ist es, dass die Segelwechsel so schnell und reibungslos wie möglich klappen. Das ist teilweise ziemlich komplex: Die Gennacker sind mit etwa 200qm Fläche ziemlich groß. Sie werden mit Hilfe eines Grinders in wenigen Sekunden gesetzt und erst ganz kurz vor der Leetonne durch ein Retriever-System quasi aus der Luft in das Boot gesaugt. Unter Deck verlaufen dafür etliche Leinen und ein langer Bergesack, sodass man sich auf der anschließenden Kreuz unten im Schiff ein bisschen wie im Regenwald fühlt: Alles ist nass und überall hängt etwas im Weg herum 😉. Der Gennacker wird dann auf jedem Amwind-Kurs neu vorbereitet, d.h. er wird mit Hilfe eines Reißverschluss-Systems zu einer langen Wurst verpackt und kann so sehr gut gesetzt werden. Oben an Deck muss der Vorschiffsmann permanent für die nötige Ordnung im ständigen Chaos sorgen. 4 verschiedene Gennackerschoten, 4 Vorsegelschoten, 3 Fallen, ein Code0 mit Furling – System sowie ein Staysail inkl. Schoten müssen jederzeit vorbereitet sein. Da bleiben kleine Fehler nicht aus und so wird aus einem falschen Handgriff beim Anbauen der Schoten gleich ein völlig verpatztes Luvtonnenmanöver. Um gerade solche Fehler zu minimieren haben wir vor jedem Event immer mindestens einen Tag trainiert. Das bedeutete für das ganze Team meist am Mittwochnachmittag nach der Arbeit zum Flughafen zu hetzen, dann der Flug nach London und von dort mitten in der Nacht weiter nach Hamble/Southampton. Donnerstag Bootsvorbereitung mit Training und Freitag bis Sonntag ein Mix aus Up/Down-Regatten und vor allem den ziemlich stressigen und aufwändigen „Round the can“-races, bei denen in kurzer Zeit relativ viele der unzähligen Tonnen im Solent umrundet werden müssen.

Nachdem wir letztes Jahr erst zum Ende in den Fast40+-Circuit eingestiegen sind, waren wir diese Saison von Anfang an dabei. Am Ende konnten wir mit einer Podiumsplatzierung im letzten Event ganz knapp einen 5. Platz in der Gesamtwertung erzielen, was in Anbetracht der starken Konkurrenz eine wirklich super Leistung ist. Als einziges Team ohne Profis an Bord vor allem die anderen vier modifizierten GP42s (inkl. die frühere Imagine) zu schlagen, hat das ganze Team ziemlich Stolz gemacht und motiviert auch im nächsten Jahr wieder anzugreifen. Trotz aller Schwierigkeiten und des großen Aufwands, der neben dem normalen Alltagsleben bei so einem Projekt anfällt. Doch es gibt wohl in Nordeuropa derzeit kaum eine Monohull-Regatta die noch spektakulärer ist. 2018 wird die Fast40+ Klasse im Rahmen der ORC/IRC Weltmeisterschaft in Den Haag segeln: ein absolutes Highlight der Segelsaison!

Felix Streckenbach

Platz 5 und 13 bei der 5,5er-WM für Greifswald

Unsere beiden international aktiven 5,5er Crews waren erfolgreich bei der Weltmeisterschaft in Frankreich.

Südlich von Brest traf sich die 5,5er-Szene vom 4. bis 8. September an der traumhaften Atlantikküste Frankreichs. Für uns ein unbekanntest Revier voller Überraschungen. Durch viele vorgelagerte,sehr schöne Inseln durchaus etwas geschützt, machen starke Strömungen und kräftiger Wind es unberechenbar. Die Gezeiten strukturierten also unseren Regatta-Tag.

Windstärke 7-8 war für die Regattaleitung scheinbar kein Problem und es wurde pünktlich gestartet. Die Foliesegel konnten einem Leid tun und jedes killen musste vermieden werden. Spaß hatte nur der Segelmacher. Wenig Wind hatten wir auch mal zur Erholung.

Mit 3 – 2 – 3 einen wahninnigen Endspurt hingelegt und Gesamtplatz 5 erreicht – Max, Max und Jenni auf Prettynama.

Zur Sicherheit mussten wir uns immer ein- und auschecken. Einmal haben wir das vergessen, was uns 0,8 Strafpunkte einbrachte. Insgesamt sind 9 Wettfahrten gewertet worden. Einen 19. Platz und einmal Black Flag hauten ganz schön rein. Micha hatte es auch erwischt.

Erste Hälfte bei der WM. Ist die Silverfox Crew damit zufrieden?

Beide Mannschaften, GER 79 (Max Müller, Max Steigel, Jens Maladinsky) und GER 83 (Micha Schulz, Dominik Zycki, Jörg Grunwald), haben sich unter den 26 gestarteten Booten gut geschlagen. Zur Siegerehrung wurde ausschließlich Französisch gesprochen, das ließ sich der stolze bretonische Clubchef nicht nehmen. Ungewöhnlich, aber die Namen waren verständlich. Das Essen war dann aber vom Feinsten und hatte Weltmeisterniveau.
Fesch gehörte mit zu unserer Crew und alle konnten wir die 1700 Kilometer Heimreise antreten.

Jenni

Ergebnisse hier

Hatten gut Lachen nach dem 5. Platz bei der WM. Glückwunsch!

Zu lange langsam – BoddenSolo an Bord der Helga Marie

Während es an der Spitze des Feldes beim BoddenSolo/Double nach viereinhalb Stunden einen spannenden Dreikampf gab (56 Sekunden zwischen Sputnik, Rock’n’Rolla und Slippery when wet), war es für die hartgesottenen Solo-Segler nicht ganz so einfach bei der seichten Brise über den Bodden zu kommen. Stefan hatte an Bord der Helga Marie aber trotzdem seinen Spaß. Ein Bericht aus Leipzig …

Als nicht zur Szene gehörender Außenseiter [stimmt gar nicht! 🙂 Anm. d. Red.] und immer noch Anfänger im Regattageschäft ein paar Worte (wahrscheinlich ein paar zu viel, aber man muss ja nicht zu Ende lesen…) über den Reiz des spätsommerlichen Solos:

Erstmalig auch als Doublehand ausgeschrieben starteten bei Wind zwischen 3 und 7 kn etwa 30 Boote in 4 Klassen (je 2 Yardstickgruppen Double und Single). Ich versuchte mit Helga Marie mein Glück in der zum Schluss startenden Gruppe der langsamen Soloboote.

Das kleine Startfeld erlaubt immerhin, sich ohne Ablenkung durch umgebende Schiffe auf Taktik und Uhr zu konzentrieren. Und es sagt einiges über die im Wortsinne ruhigen Windverhältnisse, dass man vom Pinend aus Otmar auf dem Startschiff die Sekunden herunterzählen hört: Drei-Zwei-Eins… Und wenige Augenblicke später bin ich auf der Bahn. Endlich mal ein geglückter Start. Deutlich anspruchsvoller wird es für diejenigen, die mit Spi fahren, denn direkt nach dem Start geht es auf einen langen Schlag mit raumen bis achterlichen Winden (ich weiß, man sagt Downwind…), der nur an der Ansteuerungstonne Greifswald einen 20-Grad-Knick nach Norden macht. Für die nicht Wenigen, die den Spi unsportlicherweise abgemeldet haben, beginnen drei bis vier zähe Stunden bis zur Tonne Vilm, von der aus es den gleichen Weg zurückzusegeln gilt.

Zeit genug, die Spientscheidung zu bereuen und sich Gedanken über den Sinn einer Kreuz vor dem Wind zu machen; ich probiere ein bisschen rum und komme zu dem Schluss, dass ich den Kurs um deutlich mehr als 20 Grad ändern muss, um einen Knoten schneller zu fahren. Rein rechnerisch ein Nullsumenspiel, so denke ich, verfluche meine mangelnde Übung mit Einhand-Spimanövern, die heute gar nicht notwendig wären, verwerfe den Plan genieße lieber den herrlich warmen Spätsommertag. Zum ausbaumen der Genua ist der Spibaum zu kurz und so finde ich mich –die Fahrtenseglermentalität kommt durch – einfach mit den je nach Hauchstärke schwankenden Geschwindigkeiten zwischen 1,5 und 3 Knoten ab, auch wenn’s die letzten zwei Meilen bis zur Vilm wirklich quälend wird.

Tonne Vilm an Backbord. Endlich. Auch wenn mein olivgrüner Spaekhugger für manche ein wenig nach Panzerkreuzer aussieht und knapp zweieinhalb Tonnen wiegt… Er mag Leichtwind. Und so klettert das Speedo doch immer mal wieder über 4 und ich kann mich vom Rest des eh weit auseinandergezogenen Feldes langsam absetzen, freue mich des Lebens, konzentriere mich mit sorgfältigem Blick auf den Kurs über Grund auf sinnvolle Kreuzschläge und zücke hin und wieder das Fernglas, um die wichtigsten Konkurrenten hinter mir im Blick zu behalten. Stolz lasse ich um etwa 17:15 Uhr die Tonne Greifswald an Steuerbord ohne Weg verschenkt zu haben. Eine Weile jedoch beschäftigt mich schon das, was sich am Ende als Haken an der Sache herausstellen wird. Ich habe die Segelanweisung gelesen und weiß, dass die Ziellinie um 18:00 Uhr schließt. Eine knappe Dreiviertelstunde für gut 3 Meilen bis zum Ziel vor Ludwigsburg. Wenn man das anliegen könnte… Und wenn der Wind bloß nicht immer schwächer werden würde… Aber das Leben ist kein Halbwindkurs und so kommt es, wie es kommen muss: Die Minuten verrinnen Schlag um Schlag und immerhin sehe ich schon ohne Fernglas, wie die Baltic ihre Position verlässt und Richtung Wieck tuckert… Der Rest ist ein bisschen Privatregatta gegen die anderen kleinen Boote, die noch unterwegs sind in einer wirklich wunderschönen Spätsommerabendstimmung. Am Ende verkünden sieben DNF, dass ein erforderlicher Schnitt von 3 Knotenfür Boote mit Yardstick ab 105 eine echte Herausforderung sein kann. Aber Herausforderungen machen ja bekanntlich Spaß und das hat das Solo bislang jedesmal gemacht. Meinen Dank an alle, die dazu beitragen.

Stefan Geiss, Spaekhugger Helga Marie, Baujahr 1972, Yardstick 109 (mit Spi).


 

Alle Ergebnisse hier. Einige Boote hatten auch den Tracker an. Das Replay gibt’s hier.

Eisschollen und 30 Knoten zum Gurken-Cap

Trotz morgendlichen Regenschauern und tief hängender Wolken hatten sich am Samstag einige unerschrockene Crews versammelt, um den diesjährigen Gurken-Cap unter sich auszusegeln. Bei zu Beginn noch etwas schleppender Motivation (es wurde tatsächlich überlegt das Segeln gleich ganz zu streichen!) konnten am wärmenden Feuer die ersten Gurken verkostet werden. Als gegen Mittag jedoch sogar kurz die Sonne hinter den Wolken herausschielte, wurde zum Geschicklichkeitsspiel gerufen: auf „Eisschollen“ sollte möglichst schnell ein Fass gerundet werden, bevor es wieder zurück zur Ziellinie ging. Die Kommunikation innerhalb der Teams, enge Tonnenrundungen und direkte Kurse zur Ziellinie wurden im Laufe des Wettkampfs immer weiter verfeinert. Letztlich hatte „Team Gurke“ die Nase vorn (man munkelt von heimlichem Training…), wodurch sie gern gesehene Mitsegler auf einem der Schiffe waren.

Bei den Vorbereitungen zum Auslaufen wurden noch heftige Diskussionen geführt, wie der Spi denn richtig – also falsch – herum anzubauen sei. Der große Ehrgeiz dieses Saisonhighlight zu gewinnen zeigte sich außerdem in der Wahl der Vorsegel, denn ganz die Windvorhersage ignorierend wurden teilweise die Genuas ausgepackt. Aus dem Schutz der Hafen zeigte sich dann, dass es draußen doch etwas böiger war als im Hafen vermutet. So blieb das bunte Tuch nach dem Start trotz achterlichen Windes sicher verpackt und im Verlauf des Kurses musste sogar gerefft werden. Zurück am Utkiek boten wir dann den flanierenden Zuschauern das übliche Schauspiel mit von Bord hechtenden und losrennenden, schwimmwestenbekleideten Seglern.

Nach Auswertung der Ergebnisse in den unterschiedlichen Disziplinen konnte am Ende der ASV den Gurken-Pokal gewinnen vor dem ASV auf Platz 2 und dem ASV auf dem dritten Platz. Dieses Ergebnis wurde am Nachmittag bei Fischbrötchen und Flüssignahrung ausgiebig gefeiert.

Ein herzliches Dankeschön an Gurke für Organisation, Bier und Gurken!